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[ox-de] Re: [ox-de] Wirtschaftsinformatik



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Hallo Hans.Gert und die anderen, 

Dein Ansatz bzgl. Wirtschaftsinformatik, wenn ich es recht verstehe, 
geht darüber hinaus und fordert, dass diese viel grundsätzlicher über

die Änderungen nachdenken müsste und damit, wohin die Reise über die
verschiedenen Technologiewellen geht. Du schreibst insbesondere

... ob eine Wirtschaftsentwicklung, die in epochaler technologisch
induzierter Massenarbeitslosigkeit resultiert, als ein
soundsovielter
Kondratieff verstanden werden kann, das Problem ist doch: wie
finden
wir Lösungen, die die Lebensinteressen der Menschen tatsächlich
berücksichtigen, und die den neu entstandenen technischen
Möglichkeiten angemessen sind, die so einer "Vollautomation" als
technologische Voraussetzung ja auch unterliegen müssen.

Ich denke, das sind aber Problemkreise in zwei sehr verschiedenen
auch
zeitlichen Dimensionen, und die WI-Leute verstehen dich einfach
nicht,
weil sie nie in dieser anderen Dimension denken. Auch (Mertens 2005)
macht ja nicht mehr als dich freundlich zur Kenntnis nehmen und dann
zur
eigenen Agenda überzugehen.

Also ob "die WI-Leute" das nicht verstehen - ich glaube die einen eher
ja, und die anderen eher nicht. 
Mertens - vermutlich - eher nicht, jedenfalls damals nicht. Mertens
kann diese von mir bearbeiteten und aufgezeigten Problemkreise nicht
zu seiner Agenda machen, dazu ist die Zeit - durchaus auch in einem
ganz technischen Sinne - einfach nicht reif. Ich habe versucht
Wirtschaftsinformatiker in HH darauf anzusprechen, die haben im
Prinzip gesagt: das sei wohl das Problem der nächsten Generation,
dafür seien sie nicht mehr zuständig. Ich muss sagen. das sehe ich
eigentlich auch so. Vermutlich ist das überhaupt nicht mehr das Thema
der Wirtschaftsinformatik, möglicherweise wird es die auch nicht ewig
lange mehr geben. Wirtschaftsinformatik ist Computerisierung von
Geschäftsprozessen, mit ziemlich purem Anwendungsinteresse, und
grundsätzlicher und wissenschaftlicher und theoretischer wollen die
gar nicht werden. Ich habe mal versucht, in einem Aufsatz zum
50jährigen Bestehen der Zeitschrift Wirtschaftsinformatik in dem Sinne
grundsätzlicher zu werden - da haben sie gemeint, "solche Aufsätze"
würden sie aber nicht veröffentlichen. Es muss anwendungsorientiert
sein, und nicht zu grundsätzlich und abstrakt. Die können sich einfach
keine Welt vorstellen, in denen es keine Unternehmensinteressen zu
optimieren gibt. "Vollautomatisierte" Unternehmen aber sehr wohl - und
das ist in dem Zusammenhang einfach der Treppenwitz der Geschichte.   

Du argumentierst mit der Universalmaschine. Allerdings muss jeder
solchen Maschine ja was aufs Band geschrieben werden, ehe sie
losrattern
kann. Insofern bedeutet die Verfügbarkeit einer solchen Maschine
(genauer: einer materiell-energetisch instanziierbaren Blaupause
derselben, das unterscheiden die Informatiker denn doch gelegentlich)

nur, dass sich der Schwerpunkt der gesellschaftlichen Produktion hin
zur
Produktion (und Vergesellschaftung) solcher Beschreibungen
verschiebt.
Die materiell-energetischen Konsequenzen des praktischen Einsatzes
solcher Beschreibungen eingeschlossen. Auch die Reproduktions- und
Selbstheilungsfähigkeit dieser Systeme muss in einer solchen Sprache
beschrieben sein. Also eine sehr detaillierte und komplexe Sprache
mit
mglw. vielen Abstraktionsebenen, deren Herausbildung m.E. noch eine
ganze Weile dauern wird.

Der Schwerpunkt der gesellschaftlichen Produktion verlagert sich zur
Produktion solcher Beschreibungen... ja alles richtig, dieser
Verlagerungsprozess kann aber die gesellschaftliche Produktion SO
PRODUKTIV machen, dass in diesem Schwerpunkt der Produktion nur noch
paar Auserwählte ihren Job finden.  Weil sich der Output der derart
Maschinen gestützten Produktion nicht beliebig ausweiten lässt: wegen
Ökologie und Sättigung. Und vor dem Problem stehen wir eben:
Überproduktion und relative Sättigung. Nur die "developing countries"
mit noch ungesättigten Märkten und Bedürfnissen (China, Indien,
Brasilien) können noch wachsen, und verschaffen uns hier im Moment
unsern kleinen bejubelten Aufschwung. Ist ein bischen grotesk.   

Also da sind nun Lösungen gefragt, aber "Sein wie Gott perpetuieren"
würde ich nicht unbedingt dazu zählen.   

Den Versuch einer weiteren Verdeutlichung was ich denn mit "linearem,
berechenbaren, konsistenten Systems" meine muss ich mir an dieser
Stelle leider schenken leider. 

Viele Grüsse, 
Ludger  
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